Löwen-Apotheke Bederkesa

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Archive for the category “Medikamente im Portrait”

Aspirin – Eine Erfolgsgeschichte!

Schon in der Antike wurde ein Extrakt der Weidenrinde gegen Fieber und Schmerzen eingesetzt. Aber erst 1828 wurde die wirksame Substanz der Pflanze, das Salicin,  eine Verbindung aus Salicylalkohol und Glucose (Glucosid) gefunden. Auch das Echte Mädesüß, ein Rosengewächs, deren Blüten Salicylsäure enthalten, wurde schon seit alters her verwendet.

Ab 1874 wurde Salicylsäure als synthetisches Produkt großtechnisch hergestellt und als Medikament gegen Schmerzen, Fieber und Entzündungen eingesetzt.Doch die Substant führte immer wieder zu Magenschleimhautentzündungen und desöfteren sogar zu Magenblutungen. Auf der Suche nach besser verträglichen Alternativen fand der deutsche Arzneimittelhersteller Bayer die Acetylsalicylsäure (ASS), deren Reindarstellung in industriellem Maßstab erstmals 1897 im Stammwerk Wuppertal-Elberfeld gelang. Schon 1853 war die Synthese von ASS in Frankreich geglückt, allerdings mit Verunreinigungen durch Nebenprodukte.

Silberweide und Echtes Mädesüß

Das neue Produkt wurde Aspirin® genannt. Der Name leitet sich vom Echten Mädesüß (Spire, lat.Spiraea ulmaria bzw.Filipendula ulmaria) ab (s.o.): Das “A” steht für die Acetylgruppe), “spirin” (für den Wirkstoff der Spire). Aspirin® wurde im März 1899 zum Patent angemeldet und kam noch in demselben Jahr als Pulver auf den Markt.Seit seiner Markteinführung erlebte das Produkt Aspirin® eine (fast) beispiellose Erfolgsgeschichte.

Als “Entdecker” des Arzneistoffes Acetylsalicylsäure kann wohl Arthur Eichengrün gelten, der nach der nach der Markteinführung von Aspirin® von Bayer zum Leiter der Pharmazeutische Abteilung gemacht wurde. Die Firma selbst behauptet aber bis heute, es sei Felix Hoffmann gewesen, der zur selben Zeit aber lediglich die Zuständigkeit das Marketing bekam. Die Verdienste von Arthur Eichengrün wurden womöglich aus der Firmengeschichte gestrichen, weil er Jude war. Bayer war 1925 am Zusammenschluß mehrerer großer Chemieunternehmen (Agfa, BASF, Bayer, Cassella, Hoechst u.a.m.) zur I.G. Farbenindustrie AG (“I.G. Farben”) beteiligt, die später tief in die Verbrechen des Nationalsozialismus verstrickt waren (u.a Herstellung des Blausäurepräparates Zyklon B für die Gaskammern). Nach dem Ende des 2.Weltkrieges wurde die I.G.Farben von den siegreichen Allierten aufgelöst.

Aspirin damals und heute

Die Acetylsalicylsäure (ASS) gehört in die Gruppe der Nichtsteroidalen Analgetika und Antirheumatika (NSAR). Diese hemmen den zweiten und letzten Schritt der Prostaglandinsynthese.

Im ersten Schritt wird Arachidonsäure, eine Fettsäure, durch das Enzym Phospholipase aus den Phospholipiden der zellulären Biomembranen herausgespalten.  Im zweiten Schritt, wo die NSAR eingreifen, werden mit Hilfe des Enzyms Cyclooxygenase (COX), das in mindestens zwei Versionen vorkommt (COX 1 und COX 2) aus der Arachidonsäure eine grösserer Anzahl verschiedener Prostaglandine hergestellt. Die NSAR hemmen die Prostaglandinsynthese, indem sie eine Tasche des Enzyms Cyclooxygenase (COX) blockieren, wo normalerweise die weiterzuverarbeitende Arachidonsäure gut hineinpasst.

Prostaglandine sind Gewebshormone mit einem breiten Wirkungsspektrum: Einige Prostaglandine steigern die Empfindlichkeit von schmerzempfindlichen Neuronen, fördern entzündliche Prozesse, indem sie z.B. weiße Blutkörperchen (Leukocyten)anlocken und erhöhen den Sollwert der Körpertemperatur (Fieber). Eine Hemmung der Prostaglandinsäuresynthese lindert daher Schmerzen (analgetische Wirkung),  senkt das Fieber (antipyretische Wirkung) und dämmt Entzündungen ein (antiphlogistische Wirkung). Andere Prostadlandine erweitern die Blutgefäße und verbessern so z.B. die Nierendurchblutung oder schützen die Magenschleimhäute, da  sie die Produktion von Magensäure hemmen und von schützenden Schleimstoffen steigern. Wieder andere Prostaglandine fördern oder hemmen als Gegenspieler die Zusammenballung der Blutplättchen (Thrombocyten) und damit die Blutgerinnung. Das Acetylsalicylsäure trotzdem insgesamt gesehen die Blutgerinnung hemmt, mag daher zunächst überraschen. Doch bei näherer Betrachtung des Wirkmechanismus wird sehr schnell klar, warum: Durch die Hemmung der Cyclooxygenase COX1 fehlt den Thrombocyten Thromboxan A. Dieses Prostaglandin ist bei der Blutgerinnung an der Verformung der einzelnen Thrombocyten (vermittelt durch das aus Proteinen bestehenden Cytoskletts) beteiligt, welche die außen auf der Zellmembran sitzenden Fibrinogenrezeptoren (ein Glykoprotein) funktionstüchtig macht. Die im Blut herumschwimmenden Fibrinogenproteine binden an ihre Rezeptoren, bilden ein Netzwerk und verkleben so die beteiligten Thrombocyten zu einem Blutgerinnsel (Thrombus). Da Acetylsalicylsäure die Cyclooxygenase unwiderruflich (irreversibel) blockiert, die Thrombocyten zu einer Neusynthese nicht befähigt sind und es so eine ganze Weile dauert bis wieder genug neue Thrombocyten mit einem intakten Enzym nachgewachsen sind, hält die blutgerinnungshemmende Wirkung recht lange an. Durch die Hemmung der Cyclooxygenase COX1 fehlt aber auch das von den die Blutgefäße auskleidenden Endothelzellen normalerweise hergestellte Prostacylin, das als Gegenspieler (Antagonist) des Thomboxan der Blutgerinnung entgegenwirkt. Hier wirkt die Acetylsalicylsäure also blutgerinnungsfördernd. Doch im Gegensatz zu den Thrombocyten können die Endothelzellen COX1 nachproduzieren, so daß der Effekt kurzzeitig bleibt. Insgesamt gesehen überwiegt dann der blutgerinnungshemmnede Effekt der Acetylsalicylsäure! Sie eignet sich daher gut zur Prophylaxe von Schlaganfällen und Herzinfarkten.

Jens Christian Heuer

Quellen: http://www.gelsenzentrum.de/ , Wikipedia

Penicillin – Revolution in der Medizin

Die Entdeckung: Vor über 80 Jahren machte der Mediziner Alexander Fleming eine Beobachtung, welche die Medizin verändern sollte. Fleming arbeitete damals in einem Londoner Krankenhaus und beschäftigte sich mit Staphylokokken, eine Gruppe von Bakterien, unter denen einige Vertreter schwere Wundinfektionen (Wundbrand) hervorrufen können.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Rolle bestimmter Bakterien als Verursacher von Infektionen im Prinzip bekannt. Aber es gab keine wirksame Behandlung, keine Antibiotika, also Substanzen, die infektiöse Bakterien abtöten oder zumindest an ihrer Vermehrung hindern können.

Man bemühte sich aber immerhin schon um vorbeugende Maßnahmen: In der Chirurgie etwa, wurde auf aseptisches Arbeiten geachtet und auch Antiseptika zur Desinfektion der Operationsumgebung und der Instrumente kamen schon zum Einsatz. Allerdings zeigte sich während des 1. Weltkriegs bei der Behandlung von Kriegsverletzungen, daß Antiseptika einen schweren Wundbrand oftmals nicht verhindern, ja sogar fördern können. Fleming fand die Ursache dafür: Abgestorbenes Gewebe war ein idealer Nährboden für Staphylokokken und hinderte außerdem die weißen Blutkörperchen des Immunsystems (Phagozyten) daran, bis zum Infektionsherd vorzudringen, um die Bakterien zu fressen und so unschädlich zu machen. Fleming riet daher den Chirurgen abgestorbenes Gewebe unbedingt – soweit möglich - zu entfernen (Veröffentlichung in der medizinischen Fachzeitschrift Lancet 1915).  

Alexander Fleming (1881-1955) Quelle: http://www.aerzteblatt.de/

 1922 entdeckte Fleming das Lysozym, ein Enzym im Nasensekret, welches das Wachstum von Bakterien hemmt. Leider stellte sich heraus, das Lysozym zwar sehr stark gegen harmlose Bakterien wirkte, krankheitserregende Bakterien (pathogene Keime) aber nur wenig beeinträchtigte.

Im Jahre 1928 prüfte Fleming, wie auch andere seiner Kollegen,  systematisch verschiedene Substanzen auf ihre antibiotische Wirkung gegen Staphylokokken und andere Bakterien. Er ließ die Krankheitserreger in Glasgefäßen auf einem Nährboden (Agar, ein geliertes Polysaccharid aus Algen) wachsen und trug dann die zu testenden Substanzen auf. Als er einmal vergaß, einige der Proben nach Gebrauch rechtzeitig zu entsorgen, verschimmelten sie ihm. Er sah genauer hin und bemerkte etwas Erstaunliches: In der Umgebung des Schimmelpilzes (Penicillium notatum; Pinselpilz) war eine Zone, wo die Bakterien nicht wuchsen (Hemmhof). Offenbar hatte der Schimmelpilz eine Substanz abgesondert, die den Bakterien arg zusetzte. Er gab der noch unbekannten Substanz auch einen Namen und nannte sie Penicillin. 

Pinselpilz (Penicillium): Die Sporen sind perlschnurartig auf den verzweigten Trägerzellen angeordnet, wodurch der Eindruck eines Pinsels entsteht. Quelle: http://www.uoguelph.ca/

 Zunächst war die Skepsis in wissenschaftlichen Kreisen groß. Denn bisher hatten alle Substanzen, die gegen Bakterien wirksam waren, auch das gesunde menschliche Körpergewebe angegriffen.

Fleming, seit 1929 Professor für Bakteriologie an der Londoner Universität ging der Sache aber weiter nach und konnte schließlich durch Untersuchungen mit weißen Blutkörperchen (Leukozyten) nachweisen, daß Penicillin für den Menschen vollkommen ungiftig ist. Im Gegensatz zu den 1932 gefundenen bakteriostatischen Sulfonamiden, die das bakterielle Wachstum lediglich hemmten, wirkte Penicillin bakterizid, tötete also die Balkterien ab.

Flemimg beschrieb die Einsatzmöglichkeiten des Penicillins bei der Behandlung von bakteriellen Infektionen, doch dafür mußte man die Substanz erst einmal aus dem Schimmelpilz isolieren. Ansonsten waren durch Verunreinigungen schwerste Nebenwirkungen, wie zum Beispiel ein allergischer Schock zu befürchten.

Die Isolierung des Penicillins gelang jedoch erst im Jahre 1940 einer Gruppe von britischen Wissenschaftlern in Oxford unter Howard Florey und Ernst Chain. Nach ersten medizinischen Versuchen an Mäusen wagte man 1941 die ersten klinischen Tests, welche sehr erfolgreich verliefen. Zunächst stand nur sehr wenig von der kostbaren Substanz zur Verfügung, so daß man sie sogar, soweit möglich, aus dem Urin der behandelten Patienten zurückgewann.

Als es aber in den USA gelang eine neue Penicillium-Art  zu züchten (Penicillium chrysogenum), die wesentlich mehr Penicillin produzieren konnte, wurde eine großtechnische Herstellung möglich. So konnte das neue Medikament schon im 2.Weltkrieg vielen verletzten Soldaten das Leben retten. 

Der Siegeszug des Penicillins hatte begonnen und damit die große Zeit der Antibiotika! Im Jahre 1945, nach Kriegsende, erhielten  Fleming, Chain und Florey für ihre Verdienste bei der Entdeckung des Penicillins gemeinsam den Nobelpreis für Medizin!

Wirkweise und Anwendung: Penicillin wirkt nur auf Bakterien und nicht auf menschliche und tierische Zellen, weil es in einen Stoffwechselprozeß eingreift, der nur bei Bakterien vorkommt. Bakterienzellen sind im Aufbau vergleichsweise urtümlich: Sie besitzen keinen Zellkern und keine klar erkennbaren inneren Strukturen, ihre Zellmembran ist anders aufgebaut, und sie verfügen über eine mechanisch sehr stabile Zellwand als Außenhülle.

Penicillin stört den Aufbau dieser für die Stabilität des Bakteriums entscheidenden Zellwand. Um zu verstehen wie, müssen wir uns den Ablauf der Zellwandsynthese kurz näher ansehen:

N-Acetylmuramin (NAM), ein Aminozucker, wird mit einem kurzen Oligopeptid (aus mehreren Aminosäuren) enzymatisch verknüpft. Dann wird an das NAM ein weiterer Zucker angehängt, das N-Acetylglucosamin (NAG). Die so gebildeten Bausteine werden durch die Zellmembran aus dem Bakterieninneren herausgeschleust (Translokation) und danach zu einer langen Zuckerkette mit seitlich abstehenden Oligopeptiden verbunden. Ein weiteres Enzym (Peptidase, verknüpft Peptide) sorgt dann für eine Quervernetzung über die Oligopeptide. Das Ergebnis ist Peptidoglykan, eine netzartige Struktur mit hoher Zugfestigkeit (Mureinsacculus). Das Penicillin verhindert nun den letzten Schritt des Zellwandaufbaus durch Bindung an die Peptidase und verhindert so die Quervernetzung. Die Bakterienzellwand bleibt unfertig und das Bakterium platzt.

Andere Antibiotika, die später entwickelt wurden wirken entweder genauso, wenn sie wie die Cephalosporine den Penicillinen ähneln, oder sie greifen in andere Schritte des Zellwandaufbaus ein. Es gibt aber auch Antibiotika mit völlig anderen Wirkungsmechanismen. Einige hemmen die Funktion der bakteriellen DNA (Desoxyribonukleinsäure, Trägerin der Erbinformation), andere stören die genetisch gesteuerte Proteinbiosynthese.

Penicillin wirkt nur bei Bakterien, die wachsen oder sich gerade teilen, denn diese müssen dabei neues Zellwandmaterial bilden.  Schon ausgereifte (“erwachsene“) Bakterien bleiben dagegen unbehelligt, da ihre (vorläufig) fertige Zellwand für das Penicillin einfach keinen Angriffspunkt bietet. Mit dem Einsetzen des nächsten Zellteilungs- und Vermehrungszyklus sieht das jedoch ganz anders aus, denn jetzt muß wieder neue Zellwand aufgebaut werden. Die Bakterien sind in dieser Phase penicillinempfindlich und sterben ab. Penicillin muß daher – wie andere Antibiotika auch - auch nach Abklingen der Symptome noch eine gewisse Zeit weiter gegeben werden, um auch wirklich alle Bakterien zu “erwischen”.

Die Patienten dürfen neben dem Penicillin gleichzeitig keine weiteren Antibiotika einnehmen, denn es wirkt ja nur, wenn die Bakterien auch wachsen und sich teilen. 

 

Bakterienzellwand bei grampositiven und gramnegativen Bakterien Quelle: Sigma-Aldrich 

Bevor man Penicillin als Antibiotikum verabreicht, sollte genau geklärt werden, um welchen bakteriellen Erreger es sich handelt. Penicillin wirkt nicht gegen gramnegative Bakterien, da diese über eine zusätzliche äußere Membran (Lipiddoppelschicht) verfügen, die sie vor Angriffen auf den Mureinsacculus schützt. Daher ist der Einsatz von Penicillin nur bei grampositiven Bakterien sinnvoll. Gegen gramnegative Bakterien wirken aber abgewandelte Penicilline, wie zum Beispiel Aminopenicilline (Ampicillin). 

Exkurs Gramfärbung: Die Gramfärbung ist ein Verfahren zur Darstellung von Bakterien in der Lichtmikroskopie. Nach ihrem Färbeverhalten werden grampositive und gramnegative Bakterien unterschieden. Gentianaviolett, ein Triphenylmethanfarbstoff (Anilin-Farbstoff) bildet mit Jod (Lugolsche Lösung) Komplexe. Diese blauen Farbstoffkomplexe können mit Alkohol (96%) nur aus bakteriellen Zellwänden mit einer Schicht Peptidoglykan herausgelöst werden (gramnegative Bakterien). Enthält die Zellwand eines Bakteriums jedoch mehrere Schichten Peptidoglykan, so gelingt das nicht mehr, denn der Farbstoffkomplex sitzt zwischen den Peptidoglykanschichten fest. Die farblos gebliebenen gramnegativen Bakterien lassen sich mit Fuchsin (auch ein Triphenylmethanfarbstoff) rot anfärben (Gegenfärbung).

Leider erlangten mittlerweile immer mehr Bakterien, infolge evolutionärer Anpassung, die Fähigkeit  Penicilline enzymatisch abzubauen. Diese Resistenzentwicklung gefährdet den Therapieerfolg und erzwingt so eine ständige Neuentwicklung von Antibiotika. Darüber hinaus gibt es viele Kreuzresistenzen: Bakterien die penicillinresistent geworden sind, können sich auch erfolgreich gegen andere Antibiotika mit ähnlichem Wirkungsmechanismus (Cephalosporine) wehren. Resistenzen entstehen durch Mutationen und werden weiter vererbt. Durch Genaustausch können die Gene (Erbanlagen) für die Resistenzen aber auch direkt an andere, bisher nichtresistente Bakterien weitergegeben werden. Das geschieht sogar über die Grenzen verschiedener Bakterienstämme hinweg.

Die Nebenwirkungen: Trotz ihrer prinzipiell guten Verträglichkeit kommt es bei Penicillinen immer wieder zu schweren Nebenwirkungen, vor allem dann, wenn wenn eine Penicillinallergie vorliegt. Das ist immerhin bei jedem 7000ten Patienten so! Die Auswirkungen der allergischen Reaktion können relativ harmlos bleiben (leichte Hautrötung, Hautausschlag), aber auch  lebensbedrohlich werden (anaphylaktischer Schock mit Kreislaufversagen). Bei einer Penicillinalergie muß deshalb unbedingt auf andere Antibiotika ausgewichen werden.

Wie alle anderen Antibiotika auch, wirkt Penicillin leider nicht nur gegen krankeitserregende Bakterien, sondern auch gegen die Bakterien der Darmflora. Diese bunte Mischung verschiedenster Bakterien unterstützt die Verdauungsvorgänge, produziert Vitamine (B1, B2, B6, B12 und K) und hilft dem Immunsystem bei der Abwehr von krankmachenden Bakterien oder Pilzen, welche sich wegen der starken Nahrungskonkurrenz durch die bakterielle Darmflora nur in bescheidenem Ausmaß vermehren können. Eine Schädigung der Darmflora kann zu Durchfällen führen, aber auch, was noch viel gefährlicher ist, zur unkontrollierten Vermehrung von Pilzen oder penicillinresistenten, krankheitserregenden Bakterien. Pilze sind generell unempfindlich gegenüber Penicillin, da ihre Zellen in ihrem Aufbau denen von Menschen und Tieren gleichen! Nur allzuoft stellt sich daher nach einer erfolgreichen Antibiotikabehandlung eine Pilzinfektion ein, die dann mit speziellen Antimykotika (Antipilzmittel) zu behandeln ist. Abhilfe bei diesen Problemen kann die Gabe von sogenannten Probiotika schaffen, die gefriergetrocknete, aber noch lebensfähige für die Darmflora typische Bakterien enthalten (Omniflora (R), Peremterol (R) u.a.m.). Dadurch erholt sich die Darmflora nach Antibiotikagabe wieder schneller. 

Jens Christian Heuer 

Quellen: Wikipedia, Deutsches Ärzteblatt, Mutschler Arzneimittelwirkungen

Neues über die Wirkungsweise von Ambroxol

Ambroxol wird schon seit  vielen Jahren als Expectorans (schleimlösendes Medikament) in der Therapie akuter und chronischer Erkrankungen der unteren Atemwege (Bronchien) eingesetzt.

Der Arzneistoff wurde von der Firma Boehringer Ingelheim aus dem Chinazolidinalkaloid Vasicin entwickelt und kam 1979 unter dem Namen Mucosolvan(R) als Hustenmittel auf den Markt . Schon 1963 hatte Boehringer Ingelheim den Wirkstoff Bromhexin (Bisolvon (R)) entwickelt, ebenfalls ein Abkömmling des Vasicins. Es stellte sich aber später heraus, daß Bromhexin im Körper erst zur eigentlichen Wirkform verstoffwechselt wird. Und diese ist das Ambroxol!

Vasicin ist der wirksame Inhaltsstoff des Indischen Lungenkrauts (Adhatoda vasica), eines kleinen immergrünen Busches aus dem nordindischen Himalaya,der von der Ayurvedischen Medizin schon seit über 3000 Jahren als Heilpflanze vor allem bei Atemwegserkrankungen eingesetzt wurde.

Das Indische Lungenkraut (Adhatoda vasica). Quelle: Wikipedia 

Ambroxol unterstützt das mukoziliäre Reinigungssystems, welches entscheidend an der Reinhaltung der Atemwege von Fremdsubstanzen beteiligt ist. Das mukoziliäre Reinigungssystem besteht aus dem Schleimhaut- und Flimmerepithel, das den größten Teil der Atemwege auskleidet und dem Surfactant-Faktor. Das Schleimhaut- und Flimmerepithel besteht aus Zellen mit Flimmerhärchen (Zilien) und dazwischen immer wieder aus schleimproduzierenden Becherzellen und Drüsen. Der Bronchialschleim bindet Fremdsubstanzen und wird durch die im Takt rudernden Flimmerhärchen aus den Atemwegen abtransportiert. Der Surfactant-Faktor ist ein Gemisch aus fettähnlichen Phospholipidmolekülen, der in den Alveolen (Lungenbläschen) gebildet und über die gesamten Atemwege verteilt wird. Surfactant verhindert das Anhaften des klebrigen Bronchialschleims an den Zelloberflächen des Schleimhaut- und Flimmerepithels. Im gesamten Bronchialgewebe patrouillieren im Rahmen der Immunabwehr weiße Blutkörperchen (Leukocyten).

Ist das mucoziliäre Reinigungssystem der Atemwege überlastet, entwickelt sich ein Hustenreiz. Durch Husten werden mit einem Schlag größere Mengen an Bronchialschleim mit allen enthaltenen Fremdsubstanzen oder Fremdkörpern entfernt. Ist der Auswurf mit Blut vermengt, so ist das ein Alarmsignal, das z.B. auf eine (drohende) Lungenentzündung hinweisen kann. Auf jeden Fall sollte man sofort einen Arzt aufzusuchen!

Der Husten mit Auswurf, der sogenannte produktive Husten ist vom trockenen Reizhusten zu unterscheiden, der durch eine chemische Reizung der Atemwege entsteht und nicht zur Reinigung der Atemwege beiträgt.

Ambroxol aktiviert Enzyme, welche die langen Mucinketten (Glykoproteine, die aus einer zentralen Proteinkette mit zahlreichen Polysaccharidseitenketten bestehen)des Bronchialschleims spalten und diesen so verflüssigen. Ambroxol regt die Flimmerhärchen in den Bronchien zu Bewegungen an und erhöht in den Lungenbläschen die Produktion von Surfactant. All das erleichtert den Abtransport von Fremdsubstanzen mit dem Bronchialschleim. Ambroxol wirkt darüber hinaus aber auch lokalanästhetisch, indem es neuronale spannungsaktivierbare Natriumkanäle blockiert und so die Schmerzweiterleitung unterbricht. Daher wird Ambroxol seit einiger Zeit auch als Wirkstoff in Halschmerztabletten verwendet.

Neuere Untersuchungen zeigen, daß Ambroxol auch zur Eindämmung von Lungenentzündungen und anderen außer Kontrolle geratenen entzündlichen Prozessen taugt. Entzündungen sind Ausdruck einer gesteigerten Aktivität des Immunsystems zur Abwehr von Krankheitserregern und Giftstoffen.Dabei werden u.a. auch neutrophile Granulocyten (die über die Hälfte aller Leukocyten ausmachen) als Freßzellen tätig.Dafür steht ihnen ein ganzes Waffenarsenal zur Verfügung: proteolytische(eiweißauflösende) Enzyme, netzartige Strukturen aus Proteinen und Nukleinsäuren um Mikroorganismen einzufangen, Peroxidasen zur Erzeugung von zellzerstörenden Substanzen (Peroxide und Hypochlorige Säure) und schließlich Lysozym, das die Polysaccharide von bakteriellen Zellwänden aufspalten kann.

Gewebeschutz bei Entzündungen durch Ambroxol. Quelle: British Journal of Pharmakology

Die Hypochlorige Säure inaktiviert zusätzlich das Protein Antitrypsin, welches normalerweise die Aktivität proteolytischer Enzyme (z.B. Elastase) einschränkt und so gesundes Gewebe vor der Zerstörung schützt. Im Falle einer übermäßigen Immunreaktion kommt es auch zu einer Überaktivität der neutrophilen Granulocyten. Es wird zuviel Hypochlorige Säure gebildet und damit auch zuviel Antitrypsin inaktiviert. Die proteolytischen Enzyme wirken nunmehr ungebremst und zerstören nicht nur die Krankheitserreger und die von ihnen befallenen Zellen, sondern auch vollkommen intaktes Gewebe.

Ambroxol kann diesen verhängnisvollen Prozeß stoppen, indem es bei den neutrophilen Granulocyten die Freisetzung proteolytischer Enzyme und die Aktivität der Peroxidase (und damit die Bildung von Peroxiden und Hypochloriger Säure) hemmt. Damit wirkt Ambroxol der unerwünschten Zerstörung intakten Gewebes durch proteolytische und oxidative Prozesse direkt entgegen.

Im Falle einer zerstörerischen bakteriellen Lungenentzündung, der häufigsten Komplikation bei einer Grippe, erscheint also neben der notwendigen antibiotischen Therapie eine Begleitmedikation mit Ambroxol als durchaus sinnvoll.

Jens Christian Heuer

Quellen: British Journal of Pharmakology,Volume 140,Issue 4 (http://www3.interscience.wiley.com/journal/121672518/abstract), Wikipedia

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